Kia mächtig unter Strom – Beginn einer neuen Ära

Kia im Wandel: Das erste Modell der zukunftsweisenden Palette ist der knapp 4,70 Meter lange Elektro-Crossover EV6, der ab Herbst 2020 in Deutschland ausgeliefert wird

Hochspannung in Seoul. Mit einem fulminanten Feuerwerk hat Kia Anfang dieses Jahres seine Neuausrichtung markiert. „Plan S“ heißt die wegweisende Strategie, die auf drei zentralen Säulen fußt. Damit will sich der südkoreanische Autobauer in ein global führendes Mobilitätsunternehmen transformieren. Auto-Journalist Michael Neher hat mit Steffen Cost, Geschäftsführer von Kia Deutschland, gesprochen. Im Interview erklärt der Deutschland-Boss, was es mit dem ambitionierten Kia-Relaunch auf sich hat.

Michael Neher: „In knapp drei Jahrzehnten vom belächelten Importeur zum angesehenen Autobauer. Warum jetzt der Austausch des etablierten gegen ein neues Logo?“

Steffen Cost: „Seit 27 Jahren ist Kia auf dem deutschen Markt aktiv. Welche eindrucksvolle Entwicklung wir in dieser Zeit durchlaufen haben, zeigt zum Beispiel der Sorento. Dessen erste Generation sah noch aus wie ein Abklatsch eines Premiumfahrzeugs aus Süddeutschland. Heute, drei Generationen später, gewinnen wir mit ihm das „Goldene Lenkrad“ gegen Aston Martin und BMW. Kia ist nicht nur bei Design und Qualität, sondern auch technologisch längst in der obersten Liga angekommen und hat sich vom ´Fast Follower` zum ´First Mover` entwickelt. Jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt – in die Zukunft von Kia.“

Nach dem Motto „wenn schon, denn schon“ fliegt dann auch gleich der eingeführte Markenslogan über Bord. Weshalb diese umfangreichen Schritte?

Wie Sie wissen, durchläuft unsere Branche gerade fundamentale Veränderungen. Getrieben von einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit und immer strengeren gesetzlichen Vorgaben vollzieht sich die Elektrifizierung ad hoc in atemberaubender Geschwindigkeit. Doch neben der Antriebsart verändert sich noch viel mehr. Genügte es gestern noch, Autos zu bauen und zu verkaufen, geht es schon morgen darum, den Trend zum Erwerb von Mobilität zu bedienen. Und das nicht nur mit elektrischen, sondern vor allem auch mit autonomen Fahrzeugen.

Demnach soll also der neue Markenslogan die Neuausrichtung markant unterstreichen?

Steffen Cost, Geschäftsführer Kia Deutschland

Exakt. Kia stellt sich den verbundenen Herausforderungen und hat Allianzen mit Unternehmen geknüpft, die schon heute führend in wichtigen Zukunftsfeldern sind. Mit diesem Netzwerk wenden wir uns nun vor allem jenen Themen und Bereichen zu, die die Menschen heute und in Zukunft ganz besonders bewegen. Dazu zählen der Umwelt- und Klimaschutz, aber auch die Digitalisierung oder Autonomisierung. Fest steht: Der Mobilitätswandel ist nicht aufzuhalten. Deshalb wollen wir ihn aktiv mitgestalten. Das Wie beschreiben wir in der Kia-Zukunftsstrategie „Plan S“. Der neue Auftritt verkörpert und visualisiert somit den umfassenden Umbau der Marke Kia.

Bitte kurz und knapp: Die drei wichtigsten Punkte des „Plan S“?

Erstens, die Elektrifizierung voranzutreiben. Bis 2026 haben wir unsere Fahrzeugpalette mit elf Elektromodellen, darunter sieben Vollstromer, bestückt. Bis 2030 wollen wir pro Jahr 1,6 Millionen Einheiten mit alternativem Antrieb verkaufen – 40 Prozent unseres Gesamtabsatzes. Zweitens: Stärkung des Spezialfahrzeuggeschäfts. Schon 2022 wollen wir unser erstes Purpose-Built Vehicle (PBV) auf die Straße bringen. Bis 2030 ist ein Jahresabsatz von einer Millionen Modellen geplant. Ein Pilotprojekt in Singapur läuft bereits. PBVs können sehr zielfördernd eingesetzt werden, unter anderem in der Logistik, beispielsweise als Last-Mile-Service. Daran schließt sich nahtlos Schwerpunkt drei an: Der Ausbau zukünftiger Mobilitätsdienste. Also, differenzierte, exakt auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Services.

Was genau versteht Kia unter ganzheitlich und nachhaltig? Ist das nicht redundant?

Unter einem ganzheitlichen Ansatz verstehen wir ein Angebot an unsere Kunden, das alle relevanten Aspekte abdeckt. Nehmen Sie als Beispiel die Elektromobilität, die natürlich nur dann voll zum Tragen kommen wird, wenn es auch ein entsprechendes Angebot an Ladeinfrastruktur gibt. Wir haben nicht nur eine interessante Modellpalette, sondern auch eine dreiachsige Ladestrategie. So bieten wir unseren Kunden Wallboxen für das Laden zu Hause an, mit KiaCharge haben sie zudem Zugang zu mehr als 140.000 Ladepunkten in ganz Europa, und das bei völliger Preistransparenz. Und mit Ionity machen wir Elektromobilität langstreckentauglich dank eines Schnellladenetzes entlang der europäischen Autobahnen. Mobilitätsdienste für all jene, die ein Elektrofahrzeug nicht besitzen, aber dennoch nutzen möchten, werden das Angebot in Zukunft abrunden.

Okay, und was ist mit der Nachhaltigkeit?

Zum einen sind das unsere nachhaltigen Mobilitätslösungen, die passgenau für die jeweiligen Kundenbedarfe ausgerichtet werden. Zum anderen setzen wir verstärkt auf nachhaltigere Produktion durch recycelbare Materialien und die Nutzung erneuerbarer Energien. Zudem entwickeln wir alternative Antriebstechnologien permanent weiter.

Kommen wir aus der Zukunft zurück und blicken in die Gegenwart. Corona hat den deutschen Automobilmarkt schwer gebeutelt. Das Zulassungsminus 2020 betrug empfindliche 19,1 Prozent. Wie ist Kia durch die Krise gekommen?

Kia setzt schon seit vielen Jahren auf alternative Antriebe. Dies hat sich nicht nur in 2020 deutlich ausgezahlt, sondern ebnet uns nun erstrecht den Weg zu langfristigem und nachhaltigem Erfolg. Dank unserer Elektro-Offensive konnten wir im zweiten Halbjahr 2020 einen neuen Absatzrekord verbuchen und unseren Marktanteil in Deutschland auf 2,2 Prozent steigern. Von den insgesamt 64.296 Kia-Neuzulassungen entfielen auf den Zeitraum Juli bis Dezember 38.397 Einheiten. Das ist das beste Halbjahresergebnis, das Kia hierzulande je erzielt hat. Mit einem Absatzanteil von 19,9 Prozent war 2020 jeder fünfte in Deutschland verkaufte Kia ein Elektro- oder Plug-in-Hybridmodell.

Alles auf Anfang. Aus Kia Motors wird Kia, aus einem produktbezogenem Automobilhersteller ein ganzheitlich agierendes Mobilitätsunternehmen. Das neue Logo unterstreicht Kias Anspruch, zum Inbegriff von Veränderung und Innovation zu werden. Es symbolisiert Neuausrichtung, Markenziel und Werte. Auch deshalb ähnelt das Logo einer handschriftlichen Signatur.

Neuer Slogan

Wiedergeburt. Neues Logo, neues Design, neuer Firmenname, neuer Slogan. Kia will sich in eine Marke verwandeln, die ihre Kunden mit wegweisenden Mobilitätserfahrungen begeistert und inspiriert. Folgerichtig lautet die neue Kia Botschaft: „Movement that inspires“ zu Deutsch: „Bewegung, die inspiriert“.

Neue Strategie

Transformation in die Zukunft. Die Strategie „Plan S“ sieht die Abkehr vom traditionellen, produktionsgeprägten Geschäftsmodell vor hin zu einem global agierenden ganzheitlichen Mobilitätsunternehmen. Damit strebt die Marke eine führende Position in der zukünftigen Mobilitätsbranche und eine Ausweitung ihres Geschäfts an. Zudem will Kia durch den Einsatz sauberer Energie und recycelbarer Materialien eine nachhaltigere Produktion fördern.

About Kia

Kia wurde 1944 gegründet, ist seit mehr als 75 Jahren erfolgreich am Markt und beschäftigt weltweit etwa 52.000 Mitarbeiter. Als global tätige Mobilitätsmarke ist Kia in über 190 Märkten vertreten, betreibt Produktionsstätten in sechs Ländern, verkauft rund drei Millionen Fahrzeuge pro Jahr und gehört zu den Pionieren bei der Popularisierung von elektrifizierten und batteriebetriebenen Fahrzeugen. Kia Deutschland, mit Sitz in Frankfurt am Main, startete den Vertrieb 1993 und hat seinen Absatz seit 2010 fast verdoppelt.