Mobile Charger: Mit dem Elektro-Reservekanister durch die Hansestadt

Hamburg Schauplatz von Feldversuch mit rollender Ladestation

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Was früher die Starthilfe war, ist heute für E-Autos das Mobile Charging. Der umgebaute Hyundai Ioniq Elektro ist ab sofort in Hamburg im Einsatz; Foto: Hyundai

Das ist stark. Liegengebliebene Elektroautos werden von einem sogenannten Mobile Charger wieder flott gemacht. Möglich machen das der ADAC und Hyundai, die sich für ihren wegweisenden Feldversuch die Elbmetropole als Schauplatz ausgesucht haben.

Elbmetropole mit vielen Stromern und aufgeschlossenen Firmen ideal

ADAC-Pressesprecher Dr. Christian Buric: „Wir haben uns einen Ballungsraum gesucht, in dem viele Elektroautos unterwegs sind und auch Mobilitätspartner, die sich offen für neue Technologien zeigen. Da sind wir in Hamburg auf ´fruchtbaren` Boden gestoßen.“ Hyundai-Pressesprecher Bernhard Voß: „Wir als einer der führenden Hersteller für alternative Antriebe sind natürlich daran interessiert, Halter von Elektroautos im Straßenverkehr zu unterstützen. Dabei ist der Mobile Charger ein Puzzle-Steinchen, um den Verbrauchern zu zeigen, dass E-Mobilität im Verkehrsalltag angekommen ist.“

Nach wie vor Reichweitenangst und große Lücken bei der Lade-Infrastruktur

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Das Spenderfahrzeug ist nichts anderes als eine Ladestation auf Rädern; Foto: Hyundai

Nach wie vor ist jedoch die Reichweitenangst groß und die Ladeinfrastruktur noch merklich ausbaufähig. Voß: „Wer möchte schon gern mit seinem Auto liegen bleiben, unabhängig von der Antriebsart?“ War der Tank früher mal überraschenderweise leer, machte sich der Fahrer zu Fuß zu nächsten Tankstelle auf. Bei einem E-Mobil ist das nicht möglich. Trotzdem wollen nun ADAC und Hyundai für diese gar nicht so ungewöhnliche „Panne“ auch bei Stromern Abhilfe, ein Stück automobile Normalität schaffen. Denn jetzt kommt der Elektrokanister, die rollende Ladestation ins Spiel. Devise: Kann der Kunde nicht zur „Zapfsäule“ kommen, fährt der Mobile Charger eben zum Kunden. Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren triftigen Grund: Ein Stromer mit leergefahrener Batterie darf nicht weit geschoben oder einfach nur an einer Stange abgeschleppt werden.

Spenderfahrzeug Hyundai Ioniq Elektro lädt Liegenbleiber mit V2V-Charging

Bleibt das E-Mobil nun tatsächlich saft- und kraftlos liegen, kommt der speziell für diese Aufgabe umgebaute Hyundai Ioniq Elektro im sogenannten V2V-Charging (Vehicle to Vehicle) zum Einsatz. Dabei spendet der Mobile Charger aus seiner eigenen Batterie Strom an das havarierte Fahrzeug. Die Ladestation auf Rädern bietet eine Ladegeschwindigkeit von maximal 20 kW. Damit erhält das liegengebliebene E-Auto innerhalb von 15 Minuten eine Reichweite von etwa 25 Kilometern – genügend, um die nächste Ladestation zu erreichen. Der Ioniq Mobile Charger verwendet dabei einen CCS-Stecker (Combined Charging System), der von der EU als Standard für das Schnellladen festgelegt wurde.