Hyundai i10: Mit dem Kleinsten zeigen Koreaner Größe

Frecher Stadtfloh im Zentrum Lissabons: der neue Hyundai i10. Offizieller Marktstart ist am 8. Februar 2020

Während andere Hersteller ihre Kleinstwagen wegen der verschärften CO2-Grenzwerte vom Markt nehmen, gibt der südkoreanische Autobauer mit der Einführung der dritten Auflage des i10 am 8. Februar 2020 ein klares Statement pro A-Segment und für alltagstaugliche Großstadt-Mobilität ab.

Hyundais Kleinster geht mit großspurigem Motto „Go Big“ in Einführungsphase

„Go Big“ lautet das vollmundige Motto des neuen Hyundai i10, der Mitte Januar 2020 in Cascais erstmals vorgestellt wurde; Foto: Michael Neher

Großer Auftritt, kleiner Wagen. Hyundai hatte Mitte Januar 2020 zur internationalen Fahrvorstellung seines smarten Stadtflohs i10 ins malerische Cascais nahe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon geladen. Motto: „Go Big“. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Wird doch traditionell bei derartigen Events herstellerübergreifend zumeist ganz groß aufgefahren. Doch Deutschlandchef Jürgen Keller sah sich bei der Präsentation schnell genötigt, neben dem üblichen Marketing-Gedöns und der unvermeidlichen Produkt-Lobhudelei, ganz explizit darauf hinzuweisen: „Wir halten am Kleinwagen fest!“ Wer´s nicht glauben mag: Am 8. Februar 2020 ist offizielle Markteinführung.

Bundesweite Markteinführung für den Hyundai i10 ist am 8. Februar 2020

Nun ist die dritte Auflage von Hyundais Kleinstem gewiss eine gelungene Weiterentwicklung, aber so viel Aufmerksamkeit und Bohei um einen dann doch eher schlichten Auto-Knirps? Das hat natürlich einen guten Grund. Wegen der verschärften Abgas- und CO2-Vorgaben geht es den Kleinsten gerade gehörig an den Kragen. Ein Widerspruch? Leider nein! Der Grund: Bei Überschreitung des CO2-Grenzwerts von 95 Gramm pro Kilometer wird eine Strafzahlung fällig.

Hyundai hat die Proportionen geschärft. Radstand und Breite wachsen um 40 bzw. 20 Millimeter, die Höhe verliert 20 Millimeter, die Länge bleibt mit 3,67 Meter gleich

Neue EU-Reglung macht Kleinstwagen unterhalb von Polo und Co. unrentabel

Folge: Die seit Anfang dieses Jahres gültige EU-Verordnung macht Kleinstwagen unterhalb von Polo, Fiesta und Co. besonders unrentabel. Zu niedrig die Margen und buchstäblich zu wenig Platz und Raum für eine Elektrifizierung. Deshalb stehen allerorts Modelle auf dem Prüfstand, die nicht genug Gewinn abwerfen oder zu viel Sprit schlucken. Selbige sind kurioserweise besonders bei den City-Hüpfern zu finden, obwohl sie deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen als hochgezüchtete Rennsemmeln und protzige SUV-Dickschiffe.

Etliche Stadtflöhe wie Ford Ka, Fiat Punto oder Opel Adam werden eingestellt

Schon gibt es etliche Kleinstwagen-Opfer zu beklagen. Statt auch künftig zur Zulassungsstelle zu rollen, sind Ford Ka, Fiat Punto sowie die Karls und Adams von Opel ein Fall für die Schrottpresse geworden. Indes der neue Hyundai i10 eben nicht. „Wir wollen unseren Kunden auch weiterhin ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis bieten“, unterstreicht Geschäftsführer Jürgen Keller das Festhalten am A-Segment.

Hyundai hält an Kleinwagen fest und bieten alle alternativen Antriebsformen an

Der Kofferraum fasst zwischen 252 und 1.050 Liter. Laut Hersteller gehört der Korea-Knirps damit zu den Klassenbesten

Der Boss von Hyundai Deutschland hat allerdings leicht reden. Schließlich haben die Südkoreaner als einziger Hersteller der Welt alle alternativen Antriebsformen, vom Hybrid bis zur Brennstoffzelle, im Portfolio und auch in Serie auf der Straße. Das rechnet sich, unter den neuen Vorzeichen in 2020 so wie so. Gerade von großer Parkplatznot gebeulte Großstädter scheinen es dem asiatischen Autobauer zu danken.

Für neuen Hyundai i10 liegen bereits mehr als 4.000 Bestellungen vor

Keller: „Schon jetzt stehen vom neuen i10 mehr als 4.000 Bestellungen in unseren Büchern.“ Klare Haltung und Geschäftssinn scheinen sich auszuzahlen. Denn noch hat diese Fahrzeugklasse etwa sieben Prozent Marktanteil an den Neuzulassungen und das Einsteigermodell i10 zählt mit jährlich rund 20.000 verkauften Einheiten zu den erfolgreichsten Hyundai-Baureihen hierzulande.

Hyundai i10 gehört zu den Topsellern der südkoreanischen Marke hierzulande

Autor Michael Neher mit dem neuen Nissan Juke bei der Roadshow in
Hamburg

Jetzt rollt die dritte Generation zu den Händlern. Dafür hat sich der neue i10 richtig raus geputzt und im Vergleich zum Vorgänger seine Proportionen geschärft. Das abgesenkte Dach und die breitere Karosserie (je zwei cm) verleihen dem Korea-Knirps ein sportlicheres Erscheinungsbild. Auf Wunsch gibt’s zudem neu gestaltete 16-Zöller, die den i10 noch dynamischer wirken lassen.

Der Fünftürer bietet wahlweise im Fond zwei oder drei Sitzplätze

Die Fahrzeuglänge ist mit 3,67 Meter gleich geblieben. Für einen Mini bietet der Fünftürer mit 2,43 Meter Radstand recht ordentliche Platzverhältnisse. Im Fond, der naturgemäß nicht ganz so üppig ausfällt, stehen wahlweise zwei oder drei Plätze zur Verfügung. Die Stoffsitze sind bequem und geben Halt. Darüber hinaus dominieren im Innenraum, optisch durchaus ansehnlich, Hartplastik und Alu-Applikationen. Auch beim Lenkrad macht sich der Rotstift bemerkbar – es lässt sich nur in der Höhe verstellen.

Die Basisversion ist ab 10.990 Euro zu haben mit etlichen Assistenten an Bord

Der i10 ist in den Ausstattungen Pure, Select, Trend und Style erhältlich. Bereits die Basisversion hat sechs Airbags und etliche elektronische Helfer wie Lichtsensor und Tempomat an Bord Ab der Linie Trend wird aus dem Vier- ein Fünfsitzer

Bei der Basisversion, die ab 10.990 Euro erhältlich ist, sind bereits Müdigkeits-, Spurhalte- und Notbremsassistent samt Frontkollisionswarner und Fußgängererkennung Serie. Über einen 8-Zoll-Farb-Touchscreen sind Apple CarPlay und Android Auto abrufbar. Zudem stehen eine kabellose Ladefunktion und der automatische Notruf eCall zur Verfügung.

Motoren: Ein 1,0-Liter-Dreizylinder und ein 1,2-Liter-Vierzylinder zum Start

Unter der Haube kann zum Start zwischen einem 1,0-Liter-Dreizylinder mit 67 (49) und einem 1,2-Liter-Vierzylinder mit 84 PS (62 kW) gewählt werden. Beide Benziner erfüllen die Abgasnorm Euro-6-TEMP. Die von uns getestete Top-Version Style und das darin verbaute automatisierte Fünfgang-Schaltgetriebe zeigte zwar, dass Hyundais Kleinster durchaus ein Großer sein kann, dies aber eher in der Stadt als auf dem Land oder der Autobahn zur Geltung kommt.

Auf Landstraße und Autobahn eher behäbig, in der Stadt quirlig und wendig

Nicht nur beim Überholen dauert es bis er in die Pötte kommt, auch in den Serpentinen fehlt ein wenig Leichtgängigkeit. Trotzdem huscht er ziemlich flüssig durch die Kurven. Im Klartext heißt das: Ein Flitzer ist er nicht. In der Stadt macht der i10 indes eine gute Figur. Er fährt sich herrlich unaufgeregt, ist wendig und sein Handling ist einfach und funktionsgerecht. Fazit: Der Hyundai i10 ist ein echter Kleinstwagen mit großer Attitüde und einem exzellenten Preis-Leistunsgverhältnis, denn sein Motto „Go Big“ trifft zum Glück nicht auf den Preis zu.

Der neue Hyundai i10 auf einen Blick:

  •  Quirliger Stadtfloh in dritter Generation
  •  Gehört zu den erfolgreichsten Hyundai-Baureihen in Deutschland
  •  Proportionen geschärft, Fahrzeugsilhouette auf Sportlichkeit getrimmt
  •  Fünfürer optional mit vier oder fünf Sitzen
  •  Kofferraumvolumen von bis zu 456 Litern Klassenbester im Segment
  •  Basisversion bereits mit einigen Assistenten ab Werk und automatischer Notruf eCall Serie
  •  Motoren: Ein 1,0-Liter-Dreizylinder und ein 1,2-Liter-Vierzylinder zum Start
  •  Beide Benziner erfüllen Abgasnorm Euro-6-TEMP, Leistung: 67 (49) und 84 PS (62 kW)
  •  Preis: ab 10.990 Euro

Mehr Infos zum neuen Hyundai i10

Technische Daten des Hyundai i10:

Länge / Breite / Höhe: 3,67 / 1,68 / 1,48 m; Motor: Vierzylin-der-Reihenmotor; Hubraum: 1.197 ccm; Max. Leistung: 62 kW/84 PS bei 6.000 U/min; Max. Drehmoment: 118 Nm bei 4.200 U/min; Getriebe /Antrieb: Automatisierte 5-Gang-Schaltgetriebe; 0 bis 100 km/h: 15,8 Sekunden; Spitze: 171 km/h; Normverbrauch je 100 km (WLTP): 4,9 – 4,2 l; CO2-Emissionen: 132 – 110 g/km; Abgasnorm: Euro 6d-Temp EVAP-ISC; Preis: ab 10.990 Euro